Geschichte

Der Bauernhof „De Grote Geere“ stammt aus dem 17. Jahrhundert (± 1670). Für Walcherener Verhältnisse war „De Grote Geere“ ein mittlerer Bauernhof in der Größenordnung von 35 bis 45 ha. Im Herbst 1944, im Vorfeld der Befreiung Walcherens, wurden weite Teile der Insel infolge der Bombardierung der Seedeiche überflutet. Darunter haben auch die zu „De Grote Geere“ zählenden Gebäude gelitten. Im Laufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Bauernhof größtenteils wieder aufgebaut, allerdings hatte das Salzwasser vor allem an der monumentalen Scheune verheerende Schäden angerichtet. Deshalb hat man sich 2015 dazu entschlossen, die Scheune unter weitestgehender Berücksichtigung ihrer ursprünglichen Form größtenteils zu renovieren. Das Wohnhaus und die Scheune bilden nun wieder eine Einheit, so wie sie es seit fast 350 Jahren getan haben! In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts vergrößerten sich die Bauernhöfe in Walcheren, da verschiedene kleinere Höfe zu neuen und größeren Bauernhöfen zusammengelegt wurden. Dies ist auch mit dem Bauernhof „De Grote Geere“ geschehen. Das Land verkaufte man an die umliegenden Landwirte, und die Hofgebäude wurden nun ausschließlich für Wohnzwecke genutzt.

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Name "de Grote Geere"

In früheren Jahrhunderten wurden Wege in der Polderlandschaft nicht geradlinig angelegt (wie man sie heutzutage beispielsweise in den Zuiderzeepoldern Noordoostpolder und Flevopolder vorfindet). Die Wege wurden hauptsächlich auf Inversionsrücken angelegt, den am höchsten gelegenen Teilen der Insellandschaft. Deshalb konnten die Wege auch nicht geradlinig verlaufen. Und wenn die Wege schon nicht geradlinig verlaufen, so gilt das natürlich auch für die angrenzenden Ländereien. Auf dem Übersichtsfoto des Bauernhofs ist gut zu erkennen, dass „De Grote Geere“ in einer der Ecken eines dreieckigen Grundstücks gelegen ist, und zwar in der Ecke, in der die Wege Noordweg und Wijkhuijsweg aufeinandertreffen. Dieser Umstand erschwert den Landwirten die Bewirtschaftung des Landes, vor allem dann, wenn es darum geht, das Land zu pflügen oder einzusäen, da es sich zu den Ecken hin verschmälert und spitz zuläuft. Ein sich derart verschmälerndes und spitz zulaufendes Stück Land nennt man auf Walcheren seit jeher „gêêre“. Im Dialekt der Einwohner von Zeeland wird aus einem „g“ oft ein „h“, weshalb „gêêre“ ausgesprochen wird wie „hêêre“. Das Grundstück, auf dem der Bauernhof gelegen ist, ist ein (für Walcherener Verhältnisse) relativ großes Grundstück. Darauf spielt auch der Name des Bauernhofs an: „De Grôôte Gêêre“. Der Name wurde später mit „De Grote Geere“ an die moderne Schreibweise angepasst. Es war ein erfreulicher Nebenumstand, dass in der Umgebung von Oostkapelle viele Landsitze errichtet wurden, wie zum Beispiel der dem Bauernhof gegenüberliegende Landsitz Iepenoord. Die Bewohner der Landsitze wurden im Dialekt Zeelands „hrôôte heren“ (Großherren) genannt. Und so galt der den Hof „De Grote Geere“ führende Landwirt eben auch als „Großherr“, der sich mit den Bewohnern der umliegenden Landsitze messen konnte.

Dem Hof „De Grote Geere“ gegenüber, und zwar am Noordweg, liegt ein kleineres Grundstück in ähnlicher Dreiecksform. Das auf diesem Grundstück befindliche Haus wird daher auch „De Kleine Geere“ genannt.

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